Le Mont Saint Michel – Liebe auf den zweiten Blick

Wie heißt es so schön: der Weg ist das Ziel. Unser finales Ziel für unseren kleinen Roadtrip durch die Normandie ist der westlichste Punkt, le Mont Saint-Michel.

Viele Wege führen zum Mont Saint-Michel

Insgesamt haben wir fünf Tage Zeit. Genug Zeit um in die Normandie einzutauchen, abzuschalten und zu genießen. Das geht in Frankreich immer gut – genießen mit allen Sinnen. Unsere Route ist schnell gefunden. Da wir erst mittags losfahren können, entscheiden wir uns für eine Zwischenübernachtung in Rouen um von dort, am nächsten Morgen, unterhalb des Pont de Normandie an die Küste zu fahren.

Unser Ziel für den zweiten Tag ist Cherbourg, oben im Norden des Départements Manche. Hier bleiben für zwei Nächte um am dritten Tag die normannische Halbinsel zu erkunden. Es gibt öffentliche Verkehrsmittel, also planen wir das Auto stehen zu lassen und Busse zu nutzen. Am vierten Tag ist es dann endlich soweit, wir verlassen den hohen Norden und erreichen den Mont Saint-Michel.

Möge der Roadtrip beginnen

Freitag Mittag geht es los. Wir entscheiden uns über Liège und Valenciennes zu fahren und kommen erstaunlich gut durch. Nach circa sechs Stunden erreichen wir Rouen und sind überrascht, wie groß und lebendig die normannische Hauptstadt doch ist. Da unser schnuckeliges Hotel mitten in der Fußgängerzone liegt, lassen wir das Auto im Parkhaus an der Kathedrale stehen und machen uns durch die Altstadt auf den Weg zum Hotel. Die Altstadt ist voller Leben, wohin man auch schaut, sieht man nette Cafés und Bistros. Die Menschen sitzen draußen, genießen die Sonnenstrahlen und lassen es sich gut gehen. Wir sind fast ein bisschen traurig, dass wir am nächsten Morgen schon weiter müssen, aber wir beschließen: wir kommen wieder. Rouen mit seiner gewaltigen Kathedrale und der niedlichen Altstadt mit seinen Fachwerkgassen hat uns gut gefallen.

Meer macht glücklich

Es gibt nichts besseres, als am Wasser zu stehen und die Nase in den Wind zu halten. Meer macht einfach glücklich. Die mondänen Badeorte Trouville-sur-Mer und Deauville ziehen einen magisch in den Bann. Trouville-sur-Mer wurde einst im 19. Jahrhundert, als Königin der Strände bezeichnet, bis im späten 19.
Jahrhundert Deauville in Mode kam.

Uns zieht es natürlich an den Strand, Tina sogar mit den Füßen ins Wasser und wir spüren, wie gut das Meer und die Luft tun. Wir vergessen ein bisschen die Zeit und beschließen, da wir noch im Hellen in Cherbourg ankommen möchten, unsere Fahrt im Landesinneren fortzusetzen.

Auf unserem Weg nach Cherbourg überkommt uns der Hunger und wir suchen uns ein nettes Plätzchen für ein Picknick. Was würde näher liegen, als am Meer zu picknicken. In Quinéville entdecken wir, fernab von Hauptstraße und Touristen, ein nettes Plätzchen mit Blick aufs Meer. Sehr glücklich und sehr hungrig genießen wir unsere Baguette und lassen uns den Wind um die Nase wehen.

Cherbourg und La Manche

Aus unserem Hotelzimmer haben wir einen wunderbaren Blick aufs Wasser und die Stadt. Neugierig ziehen wir nach unsere Ankunft los, um die Stadt zu entdecken. Wir sind jedoch ein bisschen enttäuscht, denn das Gemütliche und die kleinen Gässchen, die wir Rouen so mochten, finden wir nicht.

Cherbourg ist eine Hafenstadt. Ende des 18. Jahrhunderts, ließ Ludwig der XVI einen Kriegshafen einrichten. Der Hafen stieg zum Transatlantik- und Auswandererhafen nach Amerika auf und besitzt heute die größte künstliche Reede der Welt. Außerdem ist Cherbourg für sein größtes öffentlich zugängliches Atom-U-Boot bekannt.
Nach unserem ersten Spaziergang regnet es sich ein, so dass wir den Abend an der Hotelbar ausklingen lassen. Merke: in Frankreich ist ein Aperol Spritz nicht so geläufig wie hier, so dass man mit diesem Getränkewunsch das gesamte Personal ein bisschen nervös machen kann.

Barneville-Carteret

Am nächsten Morgen läßt der Regen nicht nach, so dass wir uns entschließen, doch mit dem Auto loszufahren und die Region ein bisschen zu erkunden. Wir fahren in das circa 30 km entfernte Barneville-Carteret und je näher wir dem Örtchen und der Küste kommen, desto besser wird das Wetter. Der Regen wird immer weniger, die dunklen Wolken verschwinden und passend am Meer reißt der Himmel auf und die Sonne kommt hervor.

Auf der einen Seite des Hafens liegt das Städtchen Barneville, auf der anderen Seite Carteret, welches durch Villen aus der Belle Epoque geprägt ist. Vom Cap der Carteret aus, hoch über dem Meer, bietet sich uns ein wunderbarer Weitblick und in der Ferne können wir die Kanalinseln sehen.

Wir haben so verdammt Glück mit dem Wetter und sind von dem Ausblick völlig verzaubert. Von Barneville-Carteret gelangt man bequem übers Wasser zu den Kanalinseln. Leider reicht dafür unsere Zeit nicht aus. Wir entscheiden uns, die Küstenstraßen Richtung Norden zu fahren und machen immer wieder Halt, wenn das Meer zum Greifen nahe scheint.

Am Abend kommen wir glücklich nach Cherbourg zurück und lassen den Abend im Hotel bei leckerem Essen und Wein ausklingen. Wir sind immerhin in Frankreich und gutes Essen und Wein können die Franzosen.

Finalement: Le Mont Saint-Michel

Heute ist der große Tag, endlich. Nach dem Frühstück sind die Koffer schnell gepackt und wir machen uns auf den Weg Richtung Süden. Heute Nachmittag werden wir das Hauptziel unserer Reise erreichen, den Mont Saint-Michel. Wir kennen ihnen von unzähligen Bildern und sind die ganze Fahrt über ein bisschen aufgeregt.

Die Fahrt an der Küste ist wunderschön, das Wetter ist erstaunlicherweise auf unserer Seite. Wir fahren durch das Städtchen Granville, dem Monaco des Nordens, Geburtsstadt von Christian Dior. Das Städtchen mit seiner Oberstadt, die die Altstadt beherbergt, gefällt uns auf Anhieb sehr gut, so dass wir auf jeden Fall noch einmal mit ein bisschen mehr Zeit wiederkommen möchten.

Ab Avranches drehen wir unsere Köpfe immer wieder nach rechts Richtung Meer, denn je nach Straßenverlauf kann man immer wieder einen Blick auf den Klosterberg erhaschen.

Ein Dorf in touristischer Hand

Bei unserer Ankunft in Mont-Saint-Michel staunen wir nicht schlecht. Vor dem kleinen Örtchen gibt es jede Menge Parkplätze, von wo der Shuttlebus die Touristen im 15-Minuten-Takt zum Klosterberg bringt. Wir haben allerdings eine Übernachtung gebucht und stehen nun vor einer Schranke, die nur mit Hilfe eines vom Hotel geschickten Pins geöffnet werden kann. Da wir der französischen Sprache mächtig sind, stellt diese Hürde kein Problem für uns da und eine Minute später stehen wir vor unserem Hotel. Uns fällt sehr schnell auf, dass das kleine Örtchen völlig für den Tourismus ausgelegt ist. Es gibt eine Hauptstraße, die auch der Shuttlebus passiert, ein paar Hotels, die sich aneinander reihen, Restaurants und einen riesigen Touristenshop.

Der erste Eindruck setzt sich auch im Hotel fort. Das Zimmer ist groß, geräumig und sauber ist es auch. Allerdings ist es an manchen Stellen doch sehr abbrockt, was vermutlich damit zusammenhängt, dass Millionen Touristen jährlich den Mont Saint-Michel besuchen wollen. Aus dem Grund sind auch wir weit in den Westen der Normandie gefahren. Nachdem wir unsere Koffer verstaut haben, machen wir uns auf den Weg zum Shuttlebus, der ein paar Schritte von unserem Hotel entfernt abfährt. Dieser ist schon völlig überfüllt und Durchrücken scheint für manch Touristen ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Trotzdem können wir fahren und unser Blicke werden vom Klosterberg magisch angezogen.

Faszination gepaart mit blankem Entsetzen

Am Mont angekommen, fasziniert uns der Blick auf den Klosterberg. Es ist kaum zu glauben, dass es die Bauleute im 13. Jahrhundert geschafft haben, zwei Dreistöckige Gebäude auf dem Granitfelsen zu errichten. Majestätisch thront die Abtei über dem Mont, der als Stolz der Normandie gilt. Wir verstehen sofort warum und sind neugierig, was sich wohl hinter den Mauern der Abtei verbirgt.

Wir schreiten durch den Eingang und sind beide leicht entsetzt, bzw. haben das Gefühl, wir stehen im Phantasialand. Die kleinen niedlichen, mit Kopfstein gepflasterten Gässchen sind zugebaut mit Souvenirshops, Essensbuden, Crêperien, Restaurants und Unterkünften. Touristen drängen sich rücksichtslos durch die sich langsam nach oben schlängelnden Gässchen.

Uns war klar, dass wir nicht alleine sein werden, aber mit diesen Menschenmassen hatten wir dann doch nicht gerechnet. Zwischen Kinderwagen, Rentnern mit Rollatoren oder Rollstühlen, kämpfen wir uns die Stufen zur Abtei hoch und genießen mit Geschnatter von links und rechts die Aussicht auf die Bucht. Mir persönlich hat es am heutigen Nachmittag überhaupt nicht gefallen und der Mont wandert sehr schnell auf die Liste derer Orte, die man mal gesehen hat, aber so schnell auch nicht wieder sehen muss.

Schade eigentlich, denn ich hatte mich so sehr auf den Mont Saint-Michel gefreut. Immerhin hatten wir schönes Wetter, denn zu allem Überfluss hat die Smartphone-App auch noch Regen vorausgesagt. Dieser kam am Abend, als wir ein bisschen enttäuscht wieder im Hotel waren. Kurz hatte ich überlegt, ob es vielleicht Sinn mache, dem Mont noch eine zweite Chance zu geben, abends, wenn er vielleicht nicht mehr ganz so überlaufen ist.

Eine Versöhnung zum Abschluss

Diese zweite Chance bekommt er am nächsten Morgen, am Tag unserer Abreise. Beim Blick aus dem Fenster scheint die Sonne, der Himmel ist blau und es sieht nach einem schönen Tag aus. Wir sind noch ein bisschen verschlafen, aber wir wollen nochmal zum Klosterberg. Die Eindrücke vom Vortag sollen nicht die letzten sein und so entschließen wir uns, noch vor dem Frühstück erneut in den Shuttle zu steigen. Diesmal gibt es Platz, niemand tritt in die Hacken und alles fühlt sich gleich viel besser an. Am Mont angekommen staunen wir nicht schlecht. Eine Hand voll Touristen macht Fotos vom Mont, der im Frühnebel gerade dabei ist wieder zu verschwinden.

Mit der aufgehenden Sonne, den Nebelschwaden und der Ruhe, die uns umgibt, sind wir wieder versöhnt und können sagen: der Mont Saint-Michel und wir, das ist Liebe auf den zweiten Blick!

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Kommentare

  1. Gudrun

    22. Mai 2017

    Deine Gefühl kann ich nachvollziehen, mir ging’s in Carcasonne genau so, überall Touristen, die sich durch die schmalen Gassen drücken, aber trotzdem wollte ich es einmal gesehen haben. Deine Bilder sind übrigens grandios!


  2. Mila

    28. Mai 2017

    Vielen Dank für das Lob liebe Gudrun. Ja, die Neugierde und Faszination waren einfach zu groß und ich bin sehr froh, dass wir am nächsten Morgen früh nochmal hin sind! :)


  3. vielweib

    29. Mai 2017

    Nur 6 Stunden nach Rouen? Ihr setzt mir Flausen in den Kopf :-) Ich würde soooo gern mal wieder länger urlauben. Und dann eine Tour durch die Normandie bis zum Zipfel der Bretagne <3 geht aber leider mit meinem Vater zu Hause nicht… Ist halt so ;-)

    Danke Euch für die schönen Fotos. Vom Meer aus Cherbourg die Fotos sind zum Verlieben.


  4. Mila

    29. Mai 2017

    Lieben Dank für das Lob, Tanja! Ja 6 Stunden, wobei wir auch wirklich gut durchgekommen sind. Wenn man die schrecklichen belgischen Autobahnen erstmal hinter sich hat, kann der Urlaub beginnen!! Wäre es eine Möglichkeit, deinen Vater mitzunehmen? LG Mila


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